Parodontitis und Übergewicht

Risikofaktoren der Parodontitis

Es gibt mittlerweile viele Faktoren, von denen man weiß, dass sie eng im Zusammenhang mit parodontalen Erkrankungen  stehen.


Risikofaktoren sind:

  • Mangelnde Mundhygiene
  • Rauchen
  • Genetische Faktoren
  • Hormonelle Einflüsse
  • Stress
  • Alkoholabusus
  • Diabetes
  • Übergewicht


Häufig sind aber auch viele Risikofaktoren eng miteinander verbunden.

So können sich Menschen die unter starken Stress stehen, nur schwer zu einer optimalen Mundhygiene aufraffen.

Bei Rauchern werden die Gefäße so verengt das, dass körpereigene Immunsystem nicht ausreichend gegen den Entzündungsherd ankämpfen kann.

Genauso ist es bei Diabetespatienten.
Diabetes Typ-II steht oft in Verbindung mit fehlender Bewegung und einer ungesunden Ernährung.

Daraus resultiert dann früher oder später Übergewicht.

Zahlen und Fakten

In Deutschland gibt es 43,1% übergewichtige und 14,6% adipöse Frauen. (Stand 2017)

Bei den Männern sind rund 62,1% übergewichtig und 18,1% adipös.

Erschreckend ist, dass auch viele Kinder mittlerweile betroffen sind.
7,7 % der 11- 15 jährigen Mädchen und 10,1% der 11-15 jährigen Jungen sind bereits übergewichtig.

Ermitteln werden diese Zahlen anhand des BMI. (Body-Mass-Index)

Body-Mass-Index

Der BMI ist eine Maßzahl, indem das Körpergewicht in Relation zu der Körpergröße gestellt wird. 

Der Haken ist aber, dass dieser Index nur das Körpergewicht sieht.

Nicht die Verteilung von Muskelmasse und Fettmasse.

So kommen zum Beispiel auch bei Kraftsportlern mit hohem Muskelanteil, Werte heraus die ergeben, dass dieser Sportler übergewichtig oder adipös sein soll.

Meiner Meinung nach ist der BMI überhaupt nicht aussagekräftig.

Berechnungsbeispiel

Eine 1,70 m große Frau wiegt 70 kg.

Fügen wir die Werte in die Formel ein, erhalten wir folgendes:

70 : (1,7 x 1,7) = 20,5 BMI.

Die Auswertung erfolgt nach dieser Tabelle:

Untergewicht: m <20, w <19

Normalgewicht: m 20-25, w 20-24

Übergewicht: m 25-30, w 24-30

Adipositas >30

massive Adipositas >40

Auswirkungen von Übergewicht

Übergewicht entsteht meist durch Bewegungsmangel in Verbindung mit einer ungesunden Ernährungsweise.

Fehlende Vitamine und ein hoher Zuckerkonsum, führen dann zu mehr Kilos auf den Hüften.

Die Folgeerkrankungen, die durch Übergewicht entstehen, sind neben koronaren Herzerkrankungen wie Bluthochdruck und Vorhofflimmern, Schäden im Knie- und Hüftgelenk auch Diabetes Typ-II.

Die Lebensqualität kann eingeschränkt sein, grade bei adipösen Menschen hat dies Folgen im Alltag.
Es kann zur Einschränkung von sozialen Kontakten führen oder zu Schwierigkeiten im Beruf.

Depressionen und Stress sind die Folgen.
Grade Menschen mit Depressionen sind häufig nicht in der Lage, die Mundhygiene ausreichend durchzuführen.
Es werden Antidepressiva eingenommen, daraus resultiert oft eine Mundtrockenheit.

Der Biofilm wird fester und zäher und lässt sich noch schlechter wegputzen. 

Ebenfalls werden oft Kalzium-Kanal-Blocker gegen Bluthochdruck eingesetzt. Diese Medikamente können Hyperplasien hervorrufen und das wiederum führt dazu, dass die Mundhygiene ebenfalls nicht ausreichend durchgeführt werden kann.

Merkt ihr was? Das ist ein Rattenschwanz.

Wenig Bewegung und eine ungesunde Ernährung →Übergewicht→Bluthochdruck→Diabetes Typ II→Stress und Depressionen→mangelnde Mundhygiene→erhöhtes Risiko für parodontale Erkrankungen.

8 von 100 Menschen mit Übergewicht erkranken an Diabetes mellitus Typ II.

Deswegen gehe ich jetzt etwas mehr auf das Thema Diabetes ein.

Diabetes mellitus

Diabetes Typ-I

Der Typ-I-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung.
Hier produziert der eigene Körper kein Insulin mehr.

Häufig sind junge Menschen betroffen, die sportlich und nicht übergewichtig sind.

Eine lebenslange Insulingabe ist notwendig.

Kinder von Eltern mit Typ-I-Diabetes, haben ein doppelt so hohes Risiko ebenfalls an Diabetes Typ-I zu erkranken.

Symptome sind: 

  • übermäßiges Durstgefühl
  • Gewichtsverlust
  • Müdigkeit
  • häufiger Harndrang

Diabetes Typ-II

Bekannt auch unter „Altersdiabetes“.
Dies ist allerdings nicht mehr aktuell.

Weiter oben habt ihr gelesen, dass mehr als die Hälfte der Frauen und Männer in Deutschland übergewichtig sind.

Rund 7  Mio. Menschen sind an Diabetes erkrankt.
Ca. 2Mio. wissen davon noch nichts.
Im Schnitt wird Diabetes-Typ-II 8-10 Jahre zu spät erkannt.

Davon sind ca. 90% Typ-II Diabetiker.

Erinnern wir uns an die Zahl der übergewichtigen Kinder, können wir davon ausgehen, dass sich die Zahl der Diabeteserkrankugnen weiter erhöhen wird.

Die Therapie ist simpel. Ungefähr 50% der Typ-II Fälle können durch eine Umstellung der Ernährung und mehr Bewegung behandelt werden.

Symptome sind:

  • schlechte Wundheilung
  • übermäßiger Durst
  • die Anzeichen werden meist nicht so stark wahrgenommen wie bei dem Typ-I Diabetiker

Wird die Ernährung nicht umgestellt, dann sind oft Medikamente notwendig. Im letzten Therapieabschnitt erfolgt dann die Insulinzufuhr.

Wie entsteht der Diabetes Typ-II ?

Führen wir uns Nahrung in Form von Kohlenhydraten zu, wird ein Signal an unsere Bauchspeicheldrüse geschickt.
Diese produziert nun fleißig Insulin.

An unseren Zellen hängen kleine Rezeptoren.
Das Insulin bindet sich an diese Rezeptoren und öffnet die Zelle.
Diese kann jetzt die Glucose in Form von Energie aufnehmen. (Schlüssel-Schloss-Prinzip)

Das sorgt dafür, dass wir uns nach dem Essen wieder fit und Energiegeladen fühlen.

Interessant ist, das wir nur eine bestimmte Menge an Insulin zur Verfügung haben.
Und das ein Leben lang.
Ist das Depot aufgebraucht, wird nichts nachproduziert.

Führen wir jetzt mehr Kohlenhydrate zu als notwendig, haben wir zu wenig Insulin um dies zu transportieren.

Somit verbleibt der übrige Zucker im Blut, und schädigt auf Dauer unsere Organe.
Die Folge ist, dass wir Insulin von außen zuführen müssen.

Wie hängt jetzt Adipositas mit der Parodontitis zusammen?

Ihr habt bisher schon viele Informationen bekommen.
Häufig liegt bei adipösen Menschen eine Reduktion des Speichels vor.
Dies führt zu einer vermehrten Biofilmproduktion.

Ebenso steht starkes Übergewicht in Verbindung mit erhöhter Infektanfälligkeit und einem vermindertem Immunsystem.
Freie Fettsäuren hemmen die Immunantwort.
Somit stehen weniger Entzündungsmediatoren zur Verfügung.
Diese werden aber  für eine ausreichende Wirtsantwort benötigt.
Genauso ist eine erhöhte Zahl an proinflammatorischen Zytokinen im Serum nachweisbar.

 

Okay, das erkläre ich kurz nochmal.
Proinflammatorisch bedeutet Entzündungsfördernd.

Zytokine sind Proteine die zur Kommunikation zwischen den Zellen dienen, und ihre Vermehrung und Differenzierung steuern.

Bei Adipositas ist häufig TNF-α und IL-6 erhöht.

Der Tumornekrosefaktor alpha führt unter anderem zur Apoptose (vorprogrammierter Zelltod), und Interleukin-6 spielt zum Beispiel auch bei der Entstehung von Diabetes mellitus Typ-II eine Rolle.

Die Anwesenheit von IL-6 führt zur Synthese von PGE2 (Prostaglandin E2), welches wiederum bei der Parodontitis eine wichtige Rolle spielt.

 

Zurück zum Thema:

Fettzellen (Adipozyten)  produzieren zusätzlich entzündungsfördernde Stoffe.
Sie zersetzen Moleküle die zur Bekämpfung der Entzündung benötigt werden.

Das ganze können wir jetzt noch in die ganzen einzelnen Stoffe aufdröseln.
Das erspare ich euch.

Zusammenfassung

Wenn ich davon rede, dass Übergewicht ein Risikofaktor der Parodontitis ist, rede ich nicht von 5 oder 6 Kilo zu viel. Es geht dabei wirklich um adipöse Menschen.

Die Zahl diese Menschen nimmt stetig zu. Das haben wir bestimmt auch der Lebensmittelindustrie zu verdanken, die uns mit ihren Auszeichnungen auf Lebensmitteln wie „Zuckerarm“ oder „Zuckerfrei“ in die Irre führen will. 

Dazu kommt der Bewegungsmangel und die fehlende Zufuhr von Vitaminen. Allein die Ernährung hat schon einen großen Einfluss auf unser Parodont. Die Folgen von Übergewicht sind Bluthochdruck, ein erhöhtes Risiko für Schlaganfälle und koronare Herzerkrankungen und eben auch der Diabetes-Typ-II. 

Wir wissen das sich Diabetes, wenn er nicht bzw. schlecht eingestellt ist (HbA1c-Wert >6,8%) negativ auf die Mundhöhle auswirken kann. 

Ändern diese Patienten ihren Lebensstil, löst sich das Problem häufig von allein. Fettleibige Personen haben ein erhöhtes Infektionsrisiko und eine gestörte Immunantwort. Entzündungsmediatoren werden ausgeschüttet die eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Parodontitis spielen. 

Ich hoffe das dieser Artikel, euch das Krankheitsbild der Parodontitis etwas näher gebracht hat. 

Bis bald, eure Martina

Ihr möchtet mehr über mich und meine Arbeit als Dentalhygienikerin
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